Gegen das Vergessen

13. Jul 2026

die Gedenkstättenfahrt nach Krakau

Vom 07.06.2026 bis zum 12.06.2026 nahmen Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen in Begleitung von Herrn Busch, Frau Kiesler und zwei Teamern des BDKJ an der Gedenkstättenfahrt nach Krakau teil. Das Ziel dieser Fahrt war es, mehr über die Verbrechen des NS-Staates zu erfahren und die Geschichte der Shoah besser zu verstehen.

Am Sonntagabend ging pünktlich um 17 Uhr los. Insgesamt 14 Stunden Busfahrt lagen vor uns, bevor morgens um 7 Uhr das Hotel in Krakau erreicht wurde. Nach einer Stärkung beim Frühstück wurde bei einer Stadtführung die historische Altstadt und das gegenwärtige Krakau erkundet. Besondere Highlights waren hierbei der Besuch der Marienkirche und des Wawel, dem Stadtschloss der Stadt Krakau und ehemaligen Königssitz, wo einst August der Starke regierte, der auch König Polens war.

Gedenkstättenfahrt 2026

Am Dienstag fuhren wir morgens mit dem Bus nach Auschwitz. Dort wurde das Stammlager I des Konzentrationslagers Auschwitz besucht. Während einer Führung erhielten wir einen erschütternden Einblick in den Alltag der inhaftierten Menschen. Die Berichte über die unmenschliche Behandlung durch die SS-Offiziere machten das unvorstellbare Leid der Gefangenen greifbar. Bereits der Gang durch das berüchtigte Eingangstor hinterließ einen tiefen Eindruck. Besonders beklemmend war jedoch der Besuch der Gaskammer im Stammlager I. Nach der Führung fuhren wir in die Altstadt von Oświęcim und erhielten durch den Besuch des jüdischen Museums und der Synagoge einen Einblick in das Leben der Juden vor der Besetzung durch die Nationalsozialisten.

Am Mittwoch besuchten wir das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Während der Führung wurde deutlich, welches Ausmaß die nationalsozialistischen Verbrechen hatten. Die vielen Einzelschicksale und persönlichen Geschichten, von denen der Tourguide berichtete, machten die historischen Ereignisse greifbar und zeigten, welche Folgen Ausgrenzung, Hass und Menschenverachtung haben können. Nach der Führung ging es am Nachmittag wieder zum Stammlager I. Dort wurde die Gruppe geteilt. Die erste Gruppe nahm an einem Workshop im nicht öffentlichen Kunstarchiv teil. Dort wurden Gemälde bestaunt, die die Gefangenen für die SS-Offiziere malen mussten, aber auch Gemälde von Überlebenden, die ihre Zeit in Auschwitz zeigten. Die zweite Gruppe besuchte währenddessen eine Ausstellung des Künstlers Marian Kolodziej in einem Kloster in Auschwitz. Marian Kolodziej war selbst Gefangener im Konzentrationslager in Auschwitz. Er überlebte dort mehrere Jahre, konnte aber durch die tiefgreifenden traumatischen Erlebnisse viele Jahrzehnte nicht über seine Erfahrungen sprechen. Erst durch einen Schlaganfall hat er für sich den Entschluss gefasst, seine Erlebnisse in Form von Bildern auszudrücken. Das Fazit war eindeutig: Seine Werke vermittelten auf eindringliche Weise das unvorstellbare Leid und die tiefe seelische Verwundung, die er während seiner Haft ertragen musste.

Am Donnerstag begaben wir uns auf die Spuren der jüdischen Bevölkerung bei einer Führung durch das jüdische Krakau und durch das Krakauer Ghetto. Dieser Pro-grammpunkt endete dann an dem Schindler-Museum. Dort erfuhr man nicht nur, wie Oskar Schindler das Leben von ungefähr 1200 jüdischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern rettete, sondern auch wie es den Menschen während der deutschen Besetzung in Polen erging. Danach hatten wir die Ehre an einem Gespräch mit dem Zeitzeugen Bernhard Offen teilhaben zu dürfen. Er berichtete über seine Kindheit und Jugend unter der Besetzung der Nationalsozialisten, wie er seine Familie verlor und wie er das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebte. 

Am Freitagmorgen wurde dann die Rückfahrt angetreten. Die vergangenen Tage waren geprägt von bewegenden Eindrücken und intensiven Erfahrungen. Die Gedenkstättenfahrt hat den Schüler:innen nicht nur historisches Wissen vermittelt, sondern auch im Sinne der Urteilskompetenz das kritische Hinterfragen geschärft und überdies aufgezeigt, wie wichtig vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen die Erinnerungskultur in der heutigen Zeit ist. Gegen das Vergessen – die Erlebnisse dieser Woche werden sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben.